Damit müssen Sie leben lernen ...
Meine Kindheit war behütet und verlief in ganz normalen, kleinbürgerlichen Bahnen. Die erste schmerzhafte Zäsur kam mit zehn Jahren: Ich sollte ins Gymnasium, doch um ein solches zu besuchen, musste ich ins Internat. Der viel zu frühe Sturz aus dem familiären Nest, das fortan durch ein mehr wölfischen denn humanen Prinzipien gehorchendes Jungen-Kollektiv ersetzt wurde, hinterließ erste tiefe Spuren in meiner bis dahin unverletzten Seele. Ich suchte den inneren Schmerz durch überdurchschnittliche schulische Leistungen zu kompensieren – ein Prinzip, das mich fortan begleitete.
Der zweite Großangriff auf mein seelisches Gleichgewicht erfolgte während der Pubertät. Zusätzlich zu aller Unsicherheit dieser ohnehin heiklen Jahre hatte ich mit einer besonders hartnäckigen, zur damaligen Zeit nicht heilbaren Form von Akne zu kämpfen. Die Folgen waren eine gravierende äußere Entstellung, gepaart mit einer ebenso deutlichen inneren Ablehnung. Als Ausweg bot sich abermals die Flucht in die Welt des Intellekts, in der ich mich sicher fühlte und Ersatz für die anderenorts unzugängliche Bestätigung fand. In Folge entwickelte sich zwischen äußerem Auftreten und innerem Zustand eine immer tiefere Kluft: Äußerlich betrachtet war ich sehr erfolgreich – zunächst im Gymnasium, später in Studium und Beruf – und hatte dazu immer einen flotten Spruch auf den Lippen; innerlich hingegen schwankte ich immer mehr zwischen Selbstüberschätzung und einer tiefen Verunsicherung. Die ersten Vorboten einer sich entwickelnden Depression zeichneten sich ab.
Schließlich landete ich nach einem Studium in Rekordzeit am Max Planck-Institut in Tübingen. Die sich äußerlich abzeichnende Bilderbuch-Karriere in der Wissenschaft stand jedoch in krassem Gegensatz zu meiner inneren Befindlichkeit. In dieser Zeit verfestigten sich die unverarbeiteten und falsch kompensierten seelischen Verletzungen zu einer Depression, die zyklisch wiederkehrte und mich in unregelmäßigen Abständen aller Möglichkeiten, ein normales Leben zu führen, beraubte. Die Diagnose des mich behandelnden Arztes ("Das ist unheilbar, damit werden Sie lernen müssen zu leben") zerstörte die letzte Illusion. Als auch eine Psychotherapie keinerlei Besserung brachte, war ich mit meinem Leben so ziemlich am Ende.
In dieser prekären Lebenssituation kam ich in Kontakt mit gleichaltrigen Christen. Bis dato hätte ich mich selber als einen solchen bezeichnet, doch plötzlich spürte ich, dass es mehr gab, als die fromme Maskerade, die ich mir selbst zurecht geschustert hatte. Ein spürbarer Friede und eine lebendige Überzeugung gingen von den jungen Leuten aus. Ich besuchte einige Treffen und Gottesdienste und fühlte mich von dem Jesus, der in jedem zweiten ihrer Sätze vorkam, immer mehr angezogen. Sollte es tatsächlich einen lebendigen Gott geben, der nicht irgendwo hoch über den Wolken residiert, sondern zugänglich und konkret erfahrbar ist? Wenn ja, dann würde er mich auch von meinen Depressionen befreien können, war mir schnell klar.
Also tat ich den Schritt und bat Jesus an einem Abend in meinem stillen Kämmerchen, er möge sich mir irgendwie offenbaren und in mein Leben kommen. Und er ließ sich nicht zweimal bitten: Augenblicklich wurde ich von einem tiefen, inneren Frieden erfasst. Doch das war bei weitem nicht alles: Ich hatte zu diesem Zeitpunkt große Schwierigkeiten, anzuerkennen, Schuld auf mich geladen zu haben und deshalb Gottes Vergebung zu brauchen. Also bat ich Gott, mir diesen zentralen Punkt aufzuschließen. Während ich diesen Gedanken nachhing, schlenderte ich gerade durch Tübingen. Als ich kurz meinen Kopf hob, sah ich in großen farbigen Buchstaben ein Graffiti an einer Hauswand: "Wohl dem Menschen, dem Gott seine Schuld nicht zurechnet." (Psalm 32, 1). Ganz plötzlich begriff ich, dass ich in meinem bisherigen Leben nicht nur Opfer, sondern auch Täter gewesen war und Gottes Gebote mannigfach übertreten hatte.
Und meine Depressionen? Die gaben noch ein allerletztes Mal ihre Visitenkarte ab, bevor sie endgültig weichen mussten. Davor hatte ich eine ausführliche biblische Seelsorge durchlaufen und mich abschließend mit meiner Glaubenstaufe öffentlich zu Jesus bekannt. Damit waren alle seelischen Verletzungen geheilt, und der Spuk für immer vorbei.
Das war vor sieben Jahren. Mittlerweile bin ich seit fünf Jahren glücklich verheiratet, stolzer Vater dreier Kinder und auch beruflich erfolgreich – ohne inneren Zwang zur Karriere. Jesus hat mein Leben auf den Kopf gestellt – ganz unspektakulär, dafür aber umso nachhaltiger. Er wurde zum Felsen für mein Leben, das ich zuvor auf Treibsand gebaut hatte.
"Siehe, zum Heil wurde mir bitteres Leid. Du, du hast liebevoll meine Seele von der Grube der Vernichtung zurückgehalten, denn alle meine Sünden hast du hinter deinen Rücken geworfen." (Jesaja 38, 17)
Der zweite Großangriff auf mein seelisches Gleichgewicht erfolgte während der Pubertät. Zusätzlich zu aller Unsicherheit dieser ohnehin heiklen Jahre hatte ich mit einer besonders hartnäckigen, zur damaligen Zeit nicht heilbaren Form von Akne zu kämpfen. Die Folgen waren eine gravierende äußere Entstellung, gepaart mit einer ebenso deutlichen inneren Ablehnung. Als Ausweg bot sich abermals die Flucht in die Welt des Intellekts, in der ich mich sicher fühlte und Ersatz für die anderenorts unzugängliche Bestätigung fand. In Folge entwickelte sich zwischen äußerem Auftreten und innerem Zustand eine immer tiefere Kluft: Äußerlich betrachtet war ich sehr erfolgreich – zunächst im Gymnasium, später in Studium und Beruf – und hatte dazu immer einen flotten Spruch auf den Lippen; innerlich hingegen schwankte ich immer mehr zwischen Selbstüberschätzung und einer tiefen Verunsicherung. Die ersten Vorboten einer sich entwickelnden Depression zeichneten sich ab.
Schließlich landete ich nach einem Studium in Rekordzeit am Max Planck-Institut in Tübingen. Die sich äußerlich abzeichnende Bilderbuch-Karriere in der Wissenschaft stand jedoch in krassem Gegensatz zu meiner inneren Befindlichkeit. In dieser Zeit verfestigten sich die unverarbeiteten und falsch kompensierten seelischen Verletzungen zu einer Depression, die zyklisch wiederkehrte und mich in unregelmäßigen Abständen aller Möglichkeiten, ein normales Leben zu führen, beraubte. Die Diagnose des mich behandelnden Arztes ("Das ist unheilbar, damit werden Sie lernen müssen zu leben") zerstörte die letzte Illusion. Als auch eine Psychotherapie keinerlei Besserung brachte, war ich mit meinem Leben so ziemlich am Ende.
In dieser prekären Lebenssituation kam ich in Kontakt mit gleichaltrigen Christen. Bis dato hätte ich mich selber als einen solchen bezeichnet, doch plötzlich spürte ich, dass es mehr gab, als die fromme Maskerade, die ich mir selbst zurecht geschustert hatte. Ein spürbarer Friede und eine lebendige Überzeugung gingen von den jungen Leuten aus. Ich besuchte einige Treffen und Gottesdienste und fühlte mich von dem Jesus, der in jedem zweiten ihrer Sätze vorkam, immer mehr angezogen. Sollte es tatsächlich einen lebendigen Gott geben, der nicht irgendwo hoch über den Wolken residiert, sondern zugänglich und konkret erfahrbar ist? Wenn ja, dann würde er mich auch von meinen Depressionen befreien können, war mir schnell klar.
Also tat ich den Schritt und bat Jesus an einem Abend in meinem stillen Kämmerchen, er möge sich mir irgendwie offenbaren und in mein Leben kommen. Und er ließ sich nicht zweimal bitten: Augenblicklich wurde ich von einem tiefen, inneren Frieden erfasst. Doch das war bei weitem nicht alles: Ich hatte zu diesem Zeitpunkt große Schwierigkeiten, anzuerkennen, Schuld auf mich geladen zu haben und deshalb Gottes Vergebung zu brauchen. Also bat ich Gott, mir diesen zentralen Punkt aufzuschließen. Während ich diesen Gedanken nachhing, schlenderte ich gerade durch Tübingen. Als ich kurz meinen Kopf hob, sah ich in großen farbigen Buchstaben ein Graffiti an einer Hauswand: "Wohl dem Menschen, dem Gott seine Schuld nicht zurechnet." (Psalm 32, 1). Ganz plötzlich begriff ich, dass ich in meinem bisherigen Leben nicht nur Opfer, sondern auch Täter gewesen war und Gottes Gebote mannigfach übertreten hatte.
Und meine Depressionen? Die gaben noch ein allerletztes Mal ihre Visitenkarte ab, bevor sie endgültig weichen mussten. Davor hatte ich eine ausführliche biblische Seelsorge durchlaufen und mich abschließend mit meiner Glaubenstaufe öffentlich zu Jesus bekannt. Damit waren alle seelischen Verletzungen geheilt, und der Spuk für immer vorbei.
Das war vor sieben Jahren. Mittlerweile bin ich seit fünf Jahren glücklich verheiratet, stolzer Vater dreier Kinder und auch beruflich erfolgreich – ohne inneren Zwang zur Karriere. Jesus hat mein Leben auf den Kopf gestellt – ganz unspektakulär, dafür aber umso nachhaltiger. Er wurde zum Felsen für mein Leben, das ich zuvor auf Treibsand gebaut hatte.
"Siehe, zum Heil wurde mir bitteres Leid. Du, du hast liebevoll meine Seele von der Grube der Vernichtung zurückgehalten, denn alle meine Sünden hast du hinter deinen Rücken geworfen." (Jesaja 38, 17)








